Bio-Mechanik & Bio-Tensigrität

Die jahrzehntelange Arbeit mit unzähligen Pferden und deren Besitzern in der Sattelberatung, die Ausbildung meiner eigenen sowie fremder Pferde und Reiter und nicht zuletzt mein Faible für die klassische Reitlehre und anatomische und biomechanischische Hintergründe hat mich zu dieser Rubrik inspiriert.

 

Hier möchte ich sowohl eigene Erfahrungen, als auch durch Weiterbildung erhaltenes Fachwissen in möglichst einfach verständlicher Form weitergeben und interessante Links zur Vertiefung teilen.

Ich hoffe damit einen kleinen Beitrag zu gesünderen Reitpferden, besserem Verständnis der Zusammenhänge und nicht zuletzt glücklicheren Pferdebesitzern leisten zu können.

Rückenprobleme unserer Pferde sind weit verbreitet. Muskuläre Verspannungen, Blockaden, wechselnde Lahmheiten ohne klare Diagnose, Kissing-Spines etc. verursachen teils starke Schmerzen, Rittigkeitsprobleme, Widersetzlichkeit und nicht zuletzt hohe Behandlungskosten.

 

Ähnliche Probleme tauchen überraschenderweise bei Freizeitpferden ebenso wie bei Hochleistungs-Sportpferden auf. Aber warum kommt es dazu?

Sind allein angeborene Wirbelengstände oder Unfälle dafür verantwortlich?

Kann besseres Verständnis und richtiges Training vorbeugen und wenn ja wie?

Haben Sie schon einmal die Begriffe thoraxale Muskelschlinge und Antagonistenhemmung gehört?

Nein? Dann sind sie nicht allein... aber es lohnt sich sie kennenzulernen!

 

Trageermüdung, über den Rücken reiten, Vorwärts-Abwärts, Dehnungshaltung ... das sind Begriffe, die den meisten Reitern geläufig sind. Auch das Wort Faszien ist in den letzten Jahren in aller Munde. Aber verstehen wir wirklich deren Bedeutung?

Weitere wichtige Schlüsselbegriffe sind Balance und Rumpf-Rotation.

Um diese Fragen zu beantworten müssen wir tiefer in die Anatomie und Biomechanik des Pferdes einsteigen.

Kennen Sie noch die alte Fangfrage aus den Reitabzeichen 'Auf einem Ausritt stürzt Ihr Pferd und bricht sich das Schlüsselbein. Was tun Sie?' Die überraschende, aber richtige Antwort: 'Wieder aufsteigen und weiter reiten, denn das Pferd hat kein Schlüsselbein.'

 

Das Skelett stellt eine strukturell-statische Unterstützung des Körpers dar und schützt gleichzeitig lebenswichtige Organe.

Das Stammskelett des Pferdes wird von vier Säulen, den vier Gliedmassen getragen. Der Rücken des Pferdes stellt dabei eine Art Brückenkonstruktion zwischen Vor- und Hinterhand dar. Auf diese wirkt durch das Gewicht von Rumpf und Eingeweiden enorme Schwerkraft ein. Unterstützt wird die Wirbelsäule - bestehend aus Hals-, Brust-,  Lenden- und Schweifwirbeln - durch die langen Wirbelsäulenbänder (Rücken-Nackenband, Längsbänder).

 

Es handelt sich um eine sogenannte Bogensehnenbrückenkonstruktion, in welcher Kopf und Hals über die Hebelwirkung ebenso wie die Bauchmuskulatur eine wichtige Rolle für die Balance des gesamten Körpers spielen. Der Masseschwerpunkt des Pferdes liegt im Bereich der 12. Rippe.

 

Mit dem Rücken-Nacken-Band hat das Pferd von der Natur ein geniales, passives Tragesystem mitbekommen, das es ihm erlaubt das Gewicht des Rumpfs, inklusive der inneren Organe, fast ohne Muskelkraft und Energiebedarf und ohne chronische Rückenschmerzen zu tragen. Solange es sich beim Grasen und der Futtersuche mit langem, tiefem Hals langsam vorwärts bewegt, sorgt dann der Hals als Hebel dafür, daß die der Rücken als Brückenkontruktion aufgewölbt und der Brustkorb gehoben wird. Das ist ein gutes Beispiel für die große Bedeutung der Bio-Mechanik.

 

Der Rumpf (Thorax) des Pferdes wird zwischen den Schulterblättern allein durch Muskeln und Bindegewebsstrukturen (Sehnen, Bänder, Faszien) die sog. thoraxale Muskelschlinge gehalten und nicht durch eine knöchige Verbindung, wie das Schlüsselbein des Menschen. Die Position des Brustkorbs und damit die Höhe des Widerists über den Schulterblättern ist somit nicht statisch, sondern in gewissem Rahmen variabel. Schwerkraft und Trainingszustand sind hierbei die wichtigsten Parameter.

Solange ungerittene Pferde artgerecht, im Herdenverband mit viel freier Bewegung auf verschiedenen Untergründen in hügeliger Landschaft und mit angepasster Fütterung gehalten werden, ist und bleibt die thoraxale Muskleschlinge meist gut in Funktion; die Tiere sind ausbalanciert und verfügen über funktionale Muskulatur zur Stabilisierung sowie zur Bewegung.

 

Verletzungen, fehlendes oder bionegatives Training und eingeschränkte freie Bewegung sind die häufigsten Gründe für ein Absacken des Brustkorbs.

 

Kein Pferd ist zum Tragen von Gewicht oder Reiten geboren, wohl aber ist es für diese Nutzung geeignet. Um die Gewichtsbelastung langfristig ohne gesundheitliche Nachteile aushalten zu können, bedarf es aber eines gezielten Trainings.

Wird das Heben und Aufwölben von Widerrist und Brustwirbelsäule beim Reiten und/oder vom Boden nicht regelmäßig aktiv trainiert, folgt der Rumpf der Schwerkraft und sackt nach unten, die thoraxale Muskelschlinge funktioniert nicht mehr richtig. Die sogenannte Trageermüdung nimmt ihren Lauf.

 

Als Folge büsst das Pferd schleichend seine Balancefähigkeit ein, die Bewegungsmuskulatur beginnt sich zu verspannen, da sie nun versucht so den Mangel an natürlicher Balance und Stabilität zu kompensieren.

Unter dem Reiter zeigen die Pferde häufig mangelnde Losgelassenheit, wenig Fleiß, schlechte Dehnungs- und Biegungsbereitschaft oder auch Widersetzlichkeit; oft suchen sie auch eine Stütze auf der Reiterhand oder gehen gegen die Hand, rollen den Hals auf, zeigen wenig Durchlässigkeit, reduzierte Schub- und Tragkraft und ihre Bewegungsmuster sind oft - wenn auch teils spektakulär - nicht wirklich elastisch und raumgreifend.

Diagnosen wie Fesselträgerschäden, Kissingspines, Hufrolle u.v.m. können die möglichen Folgen einer Trageermüdung sein.

 

Ursache ist ein grundsätzliches Wirkprinzip, das für Mensch wie Pferd gilt: die Antagonistenhemmung. Soll eine Muskelgruppe anspannen können, ist hierfür nötig, dass die Gegenspieler sich dehnen also verlängern können. Dies ist über neuronale Reflexe im Gehirn so verschaltet. Für die Tragefähigkeit des Pferdes ist dieser Mechanismus extrem wichtig. Pferde, die mit einem verspannten Rücken gehen müssen, können ihre Rumpfträger und die Bauchmuskulatur nicht adäquat ansteuern.

 

Beim bio-positiven Training können wir uns dieses Grundprinzip des Zusammenarbeitens von Muskeln zu Nutze machen: Wir bringen das Pferd dazu die Bauchmuskulatur anzuspannen und heben damit den Rücken. Gleichzeitig entspannen wir dadurch die Rückenmuskulatur, die nun wieder frei wird als Bewegungsmuskulatur ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen.

Bei der Korrektur von Pferden mit Trageermüdung gilt es die hypertonen (verspannten) Bereiche zu detonisieren (entspannen) und dadurch die eigentlich für das Tragen und Rumpfheben verantwortlichen Antagonisten (thoraxale Schlinge) wieder in Funktion zu bringen. 

Natürlich lösen sich dadurch nicht sofort alle Trageprobleme in Luft auf. Aber das Pferd bekommt die Möglichkeit, die richtigen Bewegungsmuster (wieder) zu erlernen. Ein dauerhafter Erfolg wird sich nur über häufige Wiederholungen und gleichzeitigen Muskelzuwachs an den richtigen Stellen einstellen. Dies ist der langsame Weg zum nachhaltigen Ziel.

 

Das gleiche Prinzip gilt für alle anderen Körperareale des Pferdes und natürlich auch des Menschen und kann immer bio-positiv oder auch bio-negativ genutzt werden.

 

Interessante weiter Links

Blog Fittipaldi Trageerschöpfung

hier gibt's eine tolle - auch für Laien verständliche - ausführliche, bebilderte Erklärung von Birte Heinsen. Achtung! Der Blog kann süchtig auf Weiterlesen machen ;-)

Freizeitreiten ohne gezieltes Training kann also genauso schädlich sein wie intensives bio-negatives leistungssportliches Training.

 

Das WIE macht den Unterschied, ob Reiten fürs Pferd schädlich wird oder nicht!

 

Der individuell auch nach biomechanischen Grundsätzen richtig ausgewählte Sattel kann Pferd und Reiter das bio-positive Training erleichtern. Schlecht gewählte Ausrüstung hingegen kann diese Aufgabe deutlich erschweren oder gar fast unmöglich machen.

Faszien bestehen aus kollagenen und elastischen Fasern, umhüllen Muskeln, Organe und Muskelgruppen, fungieren als Ursprung von Muskeln und Verschiebeschicht zwischen Körperteilen, und spielen so eine enorme Rolle für die Beweglichkeit des gesamten Körpers. Die Faszienstruktur  stellt zugleich ein wichtiges Kommunikationssystem innerhalb des Körpers dar.

Um das besser zu verstehen, kann man sich das gesamte Fasziennetz des Körpers wie ein Spinnennetz vorstellen. Wenn man einen Teil berührt, gerät das gesamte Netz in Bewegung und überträgt dadurch wichtige Informationen an die auf Beute wartende Spinne, die dann blitzschnell in geeigneter Form reagieren kann.

 

Langfristig führen mangelnde Bewegung und Schmerzen oft zu dysfunktionalen Bewegungsabläufen und Verklebungen der Faszien; dadurch entstehen weitere  Bewegungseinschränkungen, eine Verstärkung der Schmerzen und die fortschreitende Verschlechterung der Bewegungsabläufe. Es entsteht eine sich immer weiter verstärkende bionegative Spirale.

Die intensive Beschäftigung mit der Bedeutung der Faszien für die Beweglichkeit, Stabilität und Gesundheit des Körpers, bringt uns dann zu einem über die Bio-Mechanik hinausreichenden Erklärungsmodell: die Bio-Tensigrität (Tensegrity).

Dieses ist aus den Englischen Begriffen für Zugkräfte (Tension) und Einheit (Integrity) kreierte Wort beschreibt eine noch relativ neue Sicht auf die funktionale Anatomie aller Lebewesen.

 

Ein Muskel-Skelett-Sytem besteht aus festen aber auch aus elastischen Elementen; dadurch ergibt sich eine stabile und zugleich adaptionsfähige Form, die als Tensegrity-System bezeichnet wird.

 

Die knöchernen Strukturen spannen sozusagen die elastischen auf und stellen dadurch sicher, dass diese unter Spannung bleiben. Hat eine weiche Struktur zu viel oder zu wenig Spannung oder wird gar ein Teil durchtrennt, verliert die Konstruktion ihre Stabilität.

Als Folge einer Störung im Zusammenspiel der fascialen und knöchernden Strukturen, verändert sich die Statik und es kommt zu Bewegungseinschränkungen und Balanceproblemen.

 

Das Zusammenspiel der Muskelketten der Bewegungsmuskulatur führt dazu, daß sich der Schmerz oft an einer anderen Körperstelle zeigt, als dort, wo die eigentliche Ursache liegt. Um die Bewegungsstörung dauerhaft zu beseitigen, muss aber unbedingt die Ursache gefunden und behoben werden.²

 

Die positive Wirkung vieler Therapien und Behandlungsmethoden wie Osteopathie, Physiotherapie oder Yoga, lassen sich mit Hilfe dieses Modells besser verstehen.

 

Weitere interessante Informationen zu diesem topaktuellen Thema finden Sie unter http://die-pferde-sind-nicht-das-problem.de/biotensegrity.htm

 

2 Quelle: frei nach 'Pferde-Osteopathie: Parietale, fasziale und kraniosakrale Therapie' S. 102 von Brigitte Salomon, Walter Salomon

Die moderne Pferdezucht hat unsere Reitpferde in den letzten Jahren mit rasanter Geschwindigkeit verändert. Sie haben enorm an Gangqualität, Elastizität, Rittigkeit, Sensibilität und Beweglichkeit gewonnen. Kein Vergleich mehr zu den 'alten, steifen Bahnschwellen-Typen' von früher...

 

Der Anteil der Bewegungsmuskulatur ist heute schon beim ungerittenen Pferd optisch imposant, sehr leistungsfähig und verleitet damit zum schnellen Voranschreiten in der Ausbildung. Umso mehr bedürfen diese Pferde zur Gesunderhaltung der Kräftigung der so wichtigen passiven Tragestrukturen (Faszien, Sehnen, Band- und Gelenksstrukturen); oftmals bleiben aber genau diese bei der Ausbildung auf der Strecke. Die daraus entstehende mangelnde Rumpfstabilität führt dann all zu oft schleichend zu den oben beschriebenen Problemen in Balance, Rittigkeit und Gesundheit.

 

Die Gliedmassen werden im Verhältnis zum Rumpf länger und die Schulterblätter liegen deutlich schräger, um eine ausdrucksstärkere Vorhandaktion zu ermöglichen, wodurch sie weiter in den vorderen Teil des Rumpfes hinein ragen. Auch die Distanz zwischen dem letzten knöchigen Teil des Schulterblattes (Scapula) - hinter dem das Kopfeisen des Sattels liegen muss - und der tiefesten Stelle des Rückens - wo der Schwerpunkt von Sattel und Reiter zu liegen kommen soll - verkürzt sich dadurch teils erheblich. Als Konsequenz verbleibt weniger Platz für den Sattel, der Rücken wirkt kürzer und solche Pferde benötigen in der Konsequenz andere Sattelbaum- und Kissenformen, Begurtungen und anatomisch richtig geformte Sattelgurte als die 'alten' Warmbluttypen.

Solche Pferde erzeugen schon allein aufgrund ihres Gebäudes eine 'Bergauf-Optik', die häufig leider in einem krassen Gegensatz zu ihrem tatsächlichen Ausbildungsstand sowie ihrer Stabilität und Balance steht. Wird die diesbezügliche Förderung vernachlässigt, geraten die Pferde vielfach unbemerkt in die bekannten Defizite.

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Diese Seite befindet sich im Aufbau und wird noch durch weitere Texte, Grafiken und Videos ergänzt. Schauen Sie also demnächst wieder vorbei.

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HUFGEFLÜSTER, die internette Pferdezeitung, interviewt die erkältete, müde Uli Hübner zum Thema Sättel

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Interview mit Toni, dem Pferdereporter, zum Thema Sattel Zum Interview

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