Anatomie & Biomechanik

Anatomie & Biomechanik

Das Skelett

Das Skelett stellt eine strukturell-statische Unterstützung des Körpers dar und

schützt gleichzeitig lebenswichtige Organ.

Das Stammskelett des Pferdes wird von vier Säulen, den vier Gliedmassen getragen. Der Rücken des Pferdes stellt dabei eine Art Brückenkonstruktion zwischen Vor- und Hinterhand dar. Auf diese wirkt durch das Gewicht von Rumpf und Eingeweiden enorme Schwerkraft ein. Unterstützt wird die Wirbelsäule - bestehend aus Hals-, Brust-, Lenden- und Schweifwirbeln - durch die langen Wirbelsäulenbänder (Rücken-Nackenband, Längsbänder).

 

Es handelt sich um eine sogenannte Bogensehnenbrückenkonstruktion, in welcher Kopf und Hals über die Hebelwirkung ebenso wie die Bauchmuskulatur eine wichtige Rolle für die Balance des gesamten Körpers spielen. Der Masseschwerpunkt des Pferdes liegt im Bereich der 12. Rippe.

 

Mit dem Rücken-Nacken-Band hat das Pferd von der Natur ein geniales, passives Tragesystem mitbekommen, das es ihm erlaubt das Gewicht des Rumpfs, inklusive der inneren Organe, fast ohne Muskelkraft und Energiebedarf und ohne chronische Rückenschmerzen zu tragen. Solange es sich beim Grasen und der Futtersuche mit langem, tiefem Hals langsam vorwärts bewegt, sorgt dann der Hals als Hebel dafür, daß die der Rücken als Brückenkontruktion aufgewölbt und der Brustkorb gehoben wird. Das ist ein gutes Beispiel für die große Bedeutung der Bio-Mechanik.

Thorakales Heben

und thorakale Schlinge


Der Rumpf (Thorax) des Pferdes wird zwischen den Schulterblättern allein durch Muskeln und Bindegewebsstrukturen (Sehnen, Bänder, Faszien) die sog. thorakale Muskelschlinge gehalten und nicht durch eine knöchige Verbindung, wie das Schlüsselbein des Menschen.


Die Position des Brustkorbs und damit die Höhe des Widerists über den Schulterblättern ist somit nicht statisch, sondern in gewissem Rahmen variabel.


Schwerkraft und Trainingszustand sind hierbei die wichtigsten Parameter.

Faszien

Faszien bestehen aus kollagenen und elastischen Fasern, umhüllen Muskeln, Organe und Muskelgruppen, fungieren als Ursprung von Muskeln und Verschiebeschicht zwischen Körperteilen, und spielen so eine enorme Rolle für die Beweglichkeit des gesamten Körpers. Die Faszienstruktur stellt zugleich ein wichtiges Kommunikationssystem innerhalb des Körpers dar.

Um das besser zu verstehen, kann man sich das gesamte Fasziennetz des Körpers wie ein Spinnennetz vorstellen. Wenn man einen Teil berührt, gerät das gesamte Netz in Bewegung und überträgt dadurch wichtige Informationen an die auf Beute wartende Spinne, die dann blitzschnell in geeigneter Form reagieren kann.

 

Langfristig führen mangelnde Bewegung und Schmerzen oft zu dysfunktionalen Bewegungsabläufen und Verklebungen der Faszien; dadurch entstehen weitere Bewegungseinschränkungen, eine Verstärkung der Schmerzen und die fortschreitende Verschlechterung der Bewegungsabläufe. Es entsteht eine sich immer weiter verstärkende bionegative Spirale.


Gerät die thorakale Muskelschlinge in Unterfunktion, kommt es zur Trageermüdung.

Lese Tipps & weitere Links

  • Gillian Higgins, Stephanie Martin, 'Anatomie verstehen - gesundheitsfördernd reiten', Kosmos Verlag
  • Stefan Stammer, 'Das Pferd in positiver Spannung', FN Verlag
  • Dressur Studien Ausgabe 02/16 Der Rücken: Kraft und Trageerschöpfung
  • Facebook Online-Seminar Dr. med. vet. Kai Kreling zum Thema Kissing Spines bietet schöne Illustrationen zu Skelett, Muskeln etc. und eine vereinfachte Darstellung des Zusammenspiels.
Biotensegrität & Balance Trageschwäche erkennen und vermeiden
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